Es liegt was in der Luft

Titelbild-Beitrag-Molter
In Irchenrieth lohnt es sich, tief durch die Nase zu schnuppern. Es liegen herrlich aromatische Gerüche in der Luft. Die „Duft- meister“ sind Lino Molter und Arne Luchner. Die Familie betreibt bereits die Kaffeerösterei Molter in einem Teil des alten Industriedenkmals. Jetzt wurde auch wieder die alte Brau-erei in Betrieb genommen.
Schluck für Schluck der Heimat entgegen
„Es war nicht immer so, dass ich Heimatgefühle wertschätzte. Natürlich bin ich in Jugendzeiten auf neue Trends aufgesprungen, habe lieber angesagte Biere getrunken als die selbst gebrauten meines Vaters“, gibt Lino Molter offen zu. Heute bevorzugt es der Bierkenner allerdings, wenn sich etwas regionales und heimatbezogenes im Glas oder auf dem Teller befindet. Er zieht das Angebot kleiner Hausmetzgereien oder Bäckereien der Massenware großer Produzenten vor. Als studierter Betriebswirtschaftler kennt er aber auch die Schwierigkeiten kleinerer Hersteller, sich auf dem Markt behaupten zu können – was ihn jedoch nicht daran hinderte, das einstige Familienunternehmen wieder aufleben zu lassen. Seit 1586 pocht in dem alten, mit Industriefenstern und blauen Türen versehenen Gebäude in der Mitte von Irchenrieth ein „Brauereiherz“. Vor einigen Jahren übernahm Braumeister Arne Luchner das Unternehmen von der Brauerei Hösl. Bis 2011 führte er gemeinsam mit Ehefrau Claudia den Betrieb. Erst als 2014 in den Semesterferien Sohn Lino zusammen mit Freunden begann, die verwaisten Räume mit originalgetreuen Wandfarben wieder aufzufrischen und sich Stück für Stück mit aufwendigen Renovierungsarbeiten durchzukämpfen, fing das alte Herz der einstigen Braustätte wieder an zu schlagen.
Vor oder vor?
Für Lino Molter gab es nur ein „Vor“ und kein „Zurück“. Von der Idee gefesselt die eigene Familientradition fortzuführen, arbeitet der junge Unternehmer hart für seinen persönlichen Traum. „Irgendwann kam nach den ersten Renovierungsmaßnahmen dann der Punkt, richtig viel Geld für die Zukunft zu investieren“, erzählt Arne Luchner. Sein größtes Augenmerk lag vor allem darauf, dass die Räumlichkeiten, in denen das Bier entsteht, gärt, gelagert und gekühlt wird, in einen einwandfreien und lebensmittelgerechten Zustand gebracht werden mussten.
Alte Maschinen, neuer Genuss
Gerade die noch vorhanden alten Maschinen wie die Schrotmühle aus dem Königreich Bayern mit Baujahr 1912, die Kupferpfannen nebst Kupfer-Vorwärmer oder auch die Schürung mit Holz sorgen für ein besonderes, uriges Geschmackserlebnis. „Was mir auch ganz wichtig ist, sind die Bio-Zutaten, die mein Vater beim Brauen verwendet. Künstliche Farbstoffe und Aromen findet man in unserem Bier nicht, wir setzen ausschließlich auf natürliche Inhaltsstoffe. Und auch die Herstellung nach alter Tradition gibt es so auch fast nirgendwo mehr in Zeiten der industriellen Bierproduktion“, betont Lino.
Gelerntes Handwerk frisch abgezapft
Senior Arne Luchner als großer Unterstützer und erfahrener Braumeister ist im Männerteam für den Flascheninhalt zuständig. Junior Lino führt die Geschäfte und kümmert sich im Zuge dessen auch um die Vermarktung der Biere. „Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, wie wir unsere ersten 200 Kästen Bier abfüllten. Wir brauchten dafür natürlich auch Etiketten und ich probierte mich an der Gestaltung des Designs aus. Weil es unser allererster Sud war, benannte ich ihn einfach auf den Flaschenetiketten mit „SUD 1“ – und wir blieben letztendlich dabei. Jedes Rezept hat einen numerischen Sud, so heißt unser Festbier dann zum Beispiel „SUD 5““, lässt uns Lino auf die Entstehungsgeschichte des Biernamens zurückblicken.
Kistenweise Freude
Für das Männerteam war es die richtige Entscheidung, wieder dort anzuknüpfen, wo ihr beider Schaffensweg kurzzeitig pausierte. Lino wuchs mit der Brauerei auf und heute weiß er, dass ihm die Erinnerungen aus jungen Jahren gut tun und die Wiederbelebung des Brauhauses die richtige Entscheidung war. Für Vater Arne bedeutet es nicht nur einen Rückblick in vergangene Zeiten, sondern auch eine Rückkehr zu seiner eigentlichen „Berufung“. Dass ihre „Sude“ auf Weltreisen gehen, ist den beiden hingegen nicht wichtig. Sie schätzen ihre regionalen Kunden. Der Heimatregion natürlichen Genuss anzubieten ist ihr Weg und Ziel. Die Nutzung des Innenhofs als Biergarten, das Angebot von Brauereiführungen und die Einrichtung einer Bierstube sind die Zukunftsmusik, die bei Lino Molter immer lauter wird und in den Ohren klingelt. Wir glauben fest daran, dass er den richtigen Takt dazu anschlagen wird.
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