Manchmal braucht es nicht viel, um Menschen zusammenzubringen. Keine große Veranstaltung, kein aufwendiges Programm und keine digitale Plattform. Oft genügt eine einfache Holzbank an der richtigen Stelle.
Ein Platz zum Verweilen, zum Ratschen und zum Kennenlernen. Genau diese Idee steckt hinter den neuen Hutzabankerln, die seit Kurzem an vielen Orten im Landkreis Neustadt an der Waldnaab zu finden sind. Bei unserem Besuch bei „Forum Neustadt Plus e. V.“ treffen wir Linda Weismeier und Barbara Mädl. Die beiden Geschäftsführerinnen begleiteten das Projekt von Anfang an und erlebten immer wieder, wie aus einer schlichten Sitzbank ein lebendiger Treffpunkt wird.
Der Anstoß für das Projekt kam von Landrat Andreas Meier. Er erinnerte sich an die Hutzabankerl seiner Kindheit, die früher in vielen Dörfern ganz selbstverständlich zum Ortsbild gehörten. Dort wurde nach Feierabend zusammengesessen, Neuigkeiten wurden ausgetauscht und Nachbarschaften gepflegt. „Früher waren diese Bänke viel mehr als nur eine Sitzgelegenheit“, erzählt Linda Weismeier. „Sie waren Treffpunkt, Informationsbörse und manchmal sogar ein kleines Dorfparlament.“ Mit den Jahren verschwanden viele dieser Orte des Austauschs. Gleichzeitig wurden persönliche Begegnungen seltener. Beruflicher Alltag, volle Terminkalender und nicht zuletzt die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben das gesellschaftliche Miteinander verändert. Genau hier setzt die Idee der Hutzabankerl an.
Was zunächst einfach klingt, entwickelte sich schnell zu einem echten Erfolgsprojekt. Das Interesse im Landkreis war so groß, dass inzwischen insgesamt 300 Hutzabankerl aufgestellt wurden. Gefertigt aus regionalem Holz und einem eigenen Schriftzug auf einem Schild, laden die Bänke dazu ein, einfach Platz zu nehmen. Ob vor dem eigenen Haus, an einem Dorfplatz, entlang eines Radweges oder bei einem Vereinsheim – überall dort können Begegnungen entstehen. „Die schönsten Rückmeldungen sind für uns die kleinen Geschichten, die rund um die Bänke entstehen“, berichtet Barbara Mädl. „Menschen kommen ins Gespräch, lernen neue Nachbarn kennen oder treffen sich ganz bewusst wieder öfter.“ Gerade in kleineren Orten sei das oft ein wichtiger Beitrag für das Gemeinschaftsgefühl. Aus einem kurzen Plausch werde nicht selten eine neue Bekanntschaft oder sogar eine langfristige Freundschaft.
Hinter den Hutzabankerln steckt deshalb weit mehr als ein Möbelstück aus Holz. Das Projekt möchte Menschen ermutigen, wieder öfter miteinander ins Gespräch zu kommen und ihre Nachbarschaft aktiv mitzugestalten. Unterstützt wurde das Vorhaben durch das europäische LEADER-Förderprogramm im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 bis 2027. Dadurch konnte Forum Neustadt Plus die Umsetzung gemeinsam mit vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis verwirklichen. Grundlage dafür war das große Interesse aus der Bevölkerung.
Für Barbara Mädl und Linda Weismeier zeigt das Projekt eindrucksvoll, wie wichtig Begegnungsorte auch heute noch sind. „Eine Bank kann die Welt nicht verändern“, berichten sie schmunzelnd. „Aber sie kann Menschen zusammenbringen. Und genau dort beginnt Gemeinschaft.“ Wer auf einem Hutzabankerl Platz nimmt, wird schnell feststellen: Manchmal entstehen die besten Gespräche genau dort, wo man eigentlich nur kurz sitzen bleiben wollte.



