Wer den Bandnamen beim ersten Lesen lautlos im Kopf buchstabiert, ist damit nicht alleine. Wer ihn dann laut ausspricht, macht es meistens falsch – und ist damit in guter Gesellschaft. Sogar gestandene Fernsehmoderatorinnen und -moderatoren scheiterten schon kläglich daran. Barbari Bavarii – mit zwei „i“ am Ende – ist aber kein Zungenbrecher, sondern eine der unterhaltsamsten Musikcomedy-Bands, die die Nordoberpfalz je hervorgebracht hat.
Wir haben uns mit dem Trio aus dem Raum Neustadt an der Waldnaab getroffen und sind auf eine Reise durch oberpfälzischen Witz, hausgemachten Blödsinn und echtes musikalisches Handwerk gegangen.
Mein Nachname ist Witt – und das hat im Kindergartenalter kein Kumpel gescheit aussprechen können“, erklärt Christian Witt. Es entstand der Spitzname „Weiti“. Später, mit einem kleinen Latinum im Gepäck wollte er etwas erschaffen, das das Bairische – und das schön „Barbarische“ daran – widerspiegelt. Heraus kam: Barbari Bavarii – ein Name, der vermutlich mehr Aussprache-Anleitungen benötigt als mancher Beipackzettel. „Ohne groß darüber zu sinnieren, haben wir unsere Bandbezeichnung online verewigt, was im Nachhinein schwer zu ändern ist und so bleibt man halt drauf hocken“, lässt uns Weiti mit seinem herrlich trockenen Humor wissen. Dass der Name nicht nur beim Publikum oftmals für Verwirrung sorgt, ist inzwischen fast schon Teil des Programms. Beim BR-Format „Brettlspitzen“ – wo die Band 2025 auf Aufzeichnung war – brauchte der Moderator Jürgen Kirner so viele Anläufe, dass die Abmoderation kurzerhand geändert wurde. Statt auf das vorgetragene Lied einzugehen, fragte er lieber: „Wie kommt man denn auf so einen Namen?“, erzählt Bandmitglied Peter Greiner alias „Beda“ amüsiert.
Hinter „Barbari Bavarii“ stecken drei Freunde: „Beda“ – der musikalische Kopf und Melodienschmied sowie Weiti – der Sprachkünstler mit Multilingual-Talent und Stephan Rosner alias „Rosi“ – Frontmann mit dem größten Liedtext- und Redeanteil und nach eigener Aussage „der schlechteste Sänger der Band“. Die drei lernten sich über Umwege kennen: Peter und Christian gingen gemeinsam zur Schule und Stephan wollte eigentlich eine Rockband aufbauen und suchte dafür einen Sänger. So begann alles – wie so vieles im Leben – mit einer Laune und einem guten Freund, der einen weiteren kannte. Seit dem 1. Januar 2010 – genauer gesagt in der Silvesternacht, als die Raketen längst verglüht waren – ist Barbari Bavarii offiziell. Fünf abendfüllende Programme später, mit zugehörigen CDs, „die keiner mehr kauft, weil keiner mehr einen CD-Player hat“ (O-Ton Rosi) und unzähligen Auftritten ist die Band längst ein festes Stück Nordoberpfälzer Kulturleben voller melodischen Wortwitzes.
Wo kommen die Ideen her? Oft geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, um die große Liebe und kleinen Romanzen oder ganz banale Alltags- und Familiensituationen, die viele kennen. „Ich beobachte gerne Menschen. Bei einer Tasse Kaffee an belebten Orten lasse ich oft einfach die Szenerie auf mich wirken. Irgendetwas Lustiges passiert immer“, erzählt uns Peter und beschreibt als Beispiel eine amüsante Begebenheit, die er erst kürzlich in der Weidener Altstadt erlebt hat. Ein harmloser Nieselregen wurde dort im Gespräch zweier Herrschaften zu einer Art „biblischen Sintflut“ hochstilisiert. „Wenn man glaubt, schon alles gesehen oder gehört zu haben, wird man schon am nächsten Tag eines Besseren belehrt“, erklärt Beda und hat damit wohl nicht ganz unrecht. Rosi schreibt, seit er denken kann. Mit 14 Jahren lief er mit einem kleinen Notizbuch herum, weil ihm ständig Ideen kamen, die er sonst sofort wieder vergessen hätte. Heute ist das Handy sein treuester Begleiter – gefüllt mit Spickern seiner Ideensammlungen, aus denen „hin und wieder etwas Brauchbares zu entnehmen ist“, wie er bescheiden feststellt. Dass er hauptsächlich die Texte schreibt, räumt er zwar ein – aber immer mit dem freundlichen Vorbehalt, dass „manche besser, manche nicht so gut“ klingen können, je nachdem, ob und in welche Melodie es sich „verarbeiten“ lässt.
Was „Barbari Bavarii“ von klassischen Gstanzlsängern oder Faschings- und Partybands unterscheidet, ist vor allem eines: Musikalische Vielfalt kombiniert mit individuellen Dialekttexten. Die Band taucht musikalisch in Reggae, Rock, Schlager, Punk und alles dazwischen ein – und zwar auf Oberpfälzisch. „Wenn wir nur immer aufs Gstanzl reduziert wären, könnten wir vieles gar nicht so transportieren“, erklärt Beda. Die Texte behandeln die kleinen Alltagsdramen – was beim Hausbau schiefgehen kann, zwischenmenschliche Irrungen und Wirrungen, und natürlich: Wortspielereien, die so tief im Dialekt verwurzelt sind, dass sie außerhalb der Oberpfalz vielleicht erst beim zweiten Hören zünden. In der Tradition eines Fredl Fesl oder Willi Astor – die beide als Einflüsse genannt werden – verbindet die Band Musik mit erzähltem Comedy-Anteil. Jedes Programm hat ein zentrales Thema, einen roten Faden, Ansagen und Gespräche auf der Bühne. „Hinterlegt mit diversen Instrumenten, unterschiedlichen Musikrichtungen und mehreren Stimmen gleichzeitig“, fasst der Bandtexter Rosi zusammen.
Dass die Nordoberpfalz in der bayerischen Kulturlandschaft manchmal etwas unterrepräsentiert wirkt, ist dem Trio nicht entgangen. Wenn Barbari Bavarii beispielsweise in Franken oder Niederbayern auftreten, passiert beim Publikum immer dasselbe: Wenn das erste „ou“ fällt, folgt ein unterdrücktes Nachahmen im Saal und dann merkt man schnell, dass hier echte Könner am Werk sind, die ihren Dialekt nicht als „Bühnenkostüm“ tragen, sondern als Muttersprache leben. Das Ergebnis: Lachen, das von innen kommt.
Nach einer ruhigeren Phase – Corona, Elternzeit, das Leben – haben Barbari Bavarii wieder Feuer im Mikrofon. Das aktuelle Programm tourt durch die Region: Auftritte in Wenzenbach bei Regensburg und natürlich „sehr heimatnah“ in Weiden auf der Sommerserenade, im KulturCafé-Alte Druckerei in Kemnath sowie im Musikcafé „B14“ in Wernberg. Die Band ist wieder unterwegs und Buchungsanfragen sind natürlich ausdrücklich willkommen. Ein Blick vorab ins Programm lohnt sich, um den Lachmuskeln Appetit zu machen. Spätestens beim Live-Erlebnis klappt es auch sicher, Barbari Bavarii richtig aussprechen zu können.





