Ein Ort mit Geschichte und eine Familie mit einem Traum: Susi und Pat wollen in Edeldorf eine Heimat und einen Begegnungsort schaffen.
Bienensummen. Stemmhammerdonner. Dann wieder Bienensummen. So klingt’s in Edeldorf, wenn Vergangenes in die Zukunft geführt werden soll. Was hier gerade Idyll und Baustelle zugleich ist, soll einmal ein „Vielseithof“ werden. Der mehrere Hundert Jahre alte Hof in Edeldorf erlebt gerade eine zweite Jugend – und mittendrin stehen Susi Bonitz und Pat Winter, die den traditionsreichen Hof mit viel Eigenleistung, Idealismus und einer klaren Vision in die Zukunft führen wollen.
Seit 2015 leben die beiden mit ihrem Kind in Edeldorf. „Wir haben uns hier von Anfang an zuhause gefühlt“, erzählt Susi. Als sich schließlich die Möglichkeit ergab, den Hof von den Vorbesitzern zu übernehmen, war schnell klar: Diese Chance kommt vielleicht nur einmal im Leben. 2023 wurde der Kauf schließlich besiegelt. Was früher ein aktiver Milchviehbetrieb war, soll nun Schritt für Schritt zu einem offenen Ort für Begegnung, Erholung und regionale Kultur werden. Natürlich zum einen Lebensort für die Familie selbst, aber auch Begegnungsort, mit einem Naturkostladen und Ferienwohnungen.
Der Charakter des alten Bauernhofs wird dabei bewusst erhalten. „Wir wollen nichts glattbügeln“, sagt Pat. „Der Hof hat Geschichte – und genau die soll man weiterhin spüren.“ Der Vierseithof prägt seit Jahrhunderten das Ortsbild von Edeldorf. Die massiven Mauern, die alten Stallungen und der große Innenhof erzählen von einer Zeit, in der Landwirtschaft den Alltag bestimmte. Noch bis vor einigen Jahren wurde hier Milchvieh gehalten. Heute klingt statt Melkmaschinen öfter das Hämmern und Schleifen durch den Hof: Susi und Pat renovieren vieles selbst – neben Vollzeitjobs, Familienalltag und ihren zahlreichen Projekten.
Susi stammt aus Weiden und arbeitet als Geologin. Sie liebt die Natur, geht wandern oder klettern und kümmert sich mit großer Leidenschaft um Garten und Pflanzen. Pat, gebürtig aus Vohenstrauß, ist Physiotherapeut und betreibt mit „newthera physiotherapie“ seine eigene Praxis in Neustadt an der Waldnaab. Diese Mischung aus Bodenständigkeit, Kreativität und handwerklichem Ehrgeiz prägt auch ihre Pläne für den Hof. „Wir packen einfach gern selbst an“, sagt Susi. „Auch wenn es manchmal anstrengend ist – die Arbeit hier gibt uns unglaublich viel zurück.“ Besonders wichtig ist den beiden der respektvolle Umgang mit der historischen Substanz. Der Denkmalschutz spielt bei allen Entscheidungen eine zentrale Rolle. Erhalten, was Bestand hat, modernisieren, wo es sinnvoll ist – so lautet ihr Ansatz. Inspiration finden sie unter anderem bei Projekten wie dem Schafferhof in Neuhaus. Die ersten konkreten Zukunftspläne nehmen bereits Form an. Im ehemaligen Wirtschaftstrakt sollen drei Ferienwohnungen entstehen – mit einer gemeinsamen „Community Kitchen“ als Herzstück des Hauses. Denn Essen spielt für Susi und Pat eine zentrale Rolle. „Gemeinsam kochen und zusammen am Tisch sitzen – das schafft Verbindung“, sagt Pat. Der Hof soll ein Ort zum Ankommen werden: ruhig, naturnah und gleichzeitig offen für Begegnungen.
Aus derselben Leidenschaft heraus entstand auch die Idee eines kleinen Naturkostladens im ehemaligen Ochsenstall. Honig aus familieneigener Imkerei soll dort ebenso angeboten werden wie weitere regionale Lebensmittel. Dabei geht es ihnen weniger um schnellen wirtschaftlichen Erfolg als um langfristige Perspektiven.
Der Hof soll sich irgendwann selbst tragen und lebendig bleiben – unabhängig davon, wie sich ihr eigenes Leben entwickelt. „Wir möchten einen Ort schaffen, an dem Menschen gerne zusammenkommen und teilhaben können“, sagt Pat.
Dass ein solcher Traum viel Arbeit bedeutet, verschweigen die beiden nicht. Zwischen Baustelle, Beruf und Familienleben bleibt oft wenig freie Zeit. Doch genau darin liegt für sie auch eine besondere Qualität. „Der Hof schweißt uns als Familie zusammen“, sagt Susi. „Wir sehen jeden kleinen Fortschritt – und das fühlt sich unglaublich gut an.“ Edeldorf bietet dafür die perfekte Kulisse: ländliche Ruhe, viel Natur und gleichzeitig die Nähe zur Stadt Weiden. Genau diese Verbindung spiegelt auch das Projekt von Susi und Pat wider. Der alte Milchviehbetrieb wird nicht museal konserviert, sondern neu interpretiert – als moderner, lebendiger Vierseithof mit regionaler Verwurzelung.
Vielleicht ist es genau das, was viele Menschen heute suchen: Orte mit Geschichte, aber auch mit Zukunft. Orte, an denen Heimat nicht rückwärtsgewandt wirkt, sondern offen, nachhaltig und gemeinschaftlich gedacht wird. Auf dem Vielfalt lebendig wird. Gerade deshalb haben Susi und Pat auch einen sprechenden Namen für ihr Projekt: Edeldorfer Vielseithof.







