Sag mir, was du siehst & ich sage dir, was du da siehst!

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Wenn Kinder in die Welt der Natur eintauchen, dann sehen sie diese meist mit viel unverfälschteren, wacheren Augen, als wir Erwachsenen es tun. Daher ist es gerade so wichtig, unsere natürliche Umwelt den jungen Menschen zu öffnen. Sozusagen die „Türöffner“ zur Mutter Natur sind die aktuell 135 Mitglieder vom Trabitzer Landesbund für Vogelschutz, kurz LBV genannt. 

Wie die meisten Vereine ist auch der LBV unter einem Dachverband organisiert. Dieser spaltet sich in verschiedene Untergruppen auf, bis hin zu den jeweiligen Ortsgruppen. Den Trabitzer Mitgliedern ist es ein besonderes Anliegen, eigenständig agieren und sich mit persönlichen Ideen einbringen zu können. Ihre Hauptaufgaben sehen sie in der lokalen Naturschutz- und der vereinsinternen Kindergruppenarbeit. „Unsere Jüngsten halten unseren Verein am Leben, daher sind sie uns besonders wichtig. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, an sie bei den Streifzügen durch die Flora und Fauna das eigene, über die Jahre hinweg gesammelte Wissen weiterzugeben. Sie sind quasi die Entdecker und wir die Erklärer. Oder sei es einfach, ihnen kleine Aufgaben zu übertragen, wie beispielsweise das Basteln von Vogelhäuschen oder Futterstellen. Es ist eine Art „Erdung“ der Kinder, die während unserer gemeinsamen Zeit stattfindet. Weg vom Schulstress, weg von der Welt der Social Media“, erklärt Fabian Dötsch.

Platz erhalten, Platz machen, Platz gewähren

Für die Naturfreunde stellt der Schutz von Flora und Fauna eine große Aufgabe dar. In der heutigen Zeit wird der zur Verfügung stehende Raum für Pflanzen und Tiere immer weniger oder verliert an artgerechter Basis. 

Die Arbeit des LBV Trabitz zahlt sich aber seitder Gründung im Jahr 1997 erfolgreich aus. „Der damalige Grundgedanke war, dass wir Vögel schützen wollten. Im Lauf der Zeit stellte man aber fest, dass zu einem intakten Vogelleben auch eine gesunde Umwelt gehört. Das lässt sich nicht voneinander trennen, weshalb sich das Spektrum unserer Vereinstätigkeiten auf die Gesamtbetrachtung von Vegetation und Tierwelt erweiterte“ erzählt uns Andreas Wolf. 

„Wir sind in diverse Hilfsprogramme integriert, die es zum Beispiel ermöglichen, dass Wiesenflächen extensiv bewirtschaftet werden. So werden die Grünflächen wesentlich später im Jahr oder nur in Abschnitten gemäht, wodurch verschiedene Strukturen der Gebiete entstehen und sich die Tiere dort, je nach Lebensstadium, besser ausbreiten können“, erklärt Andreas Dzierza. In Kooperation mit dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald e.V. setzt sich die Gruppe gezielt für die Randstrukturen der Wälder und Bachläufe ein, um auch an diesen Stellen einen optimalen Lebensraum für Tiere zu schaffen. 

„Betrachtet man beispielsweise den einheimischen Eisvogel, dann stellt man fest, dass er vor allem buchtartige Areale entlang von Bächen aufsucht. Wir kümmern uns daher um die Ausmähung solcher Plätze. Zum Ausbrüten seiner Eier bevorzugt er hingegen ganz spezielle Höhlen, die in steilen Sandhängen zu finden sind. Vor etwa zwanzig Jahren wurde durch unseren Verein eine solche Sandwand mittels eines Baggers abgestochen, in welcher der Eisvogel seither seine Nachkommen aufzieht. Das sind natürlich wunderschöne und spannende Beobachtungen, die der beste Lohn für unsere Arbeit sind“, freut sich Fabian Dötsch. Günther Klein, einstiger Gründer der Trabitzer Ortsgruppe und Hobbyfotograf, versorgt begeistert seine Vereinsfreunde mit aufschlussreichem Bildmaterial und konnte damit auch schon die bereits dritte Brut des Eisvogels in diesem Jahr belegen. „Jedes Mitglied verfügt über sein eigenes Spezialgebiet und Wissen. So gibt es beispielsweise auch einen offiziellen Fledermausbetreuer. Durch ihn wissen wir, dass sich circa 15 verschiedene Fledermausarten aktuell in der Region aufhalten. Solche Bestandsüberwachungen geben wir dann auch weiter, um Daten für die rote Liste der bedrohten Arten oder für Statistiken abzuliefern“, lässt uns Andreas Dzierza wissen. Besonders erfreulich letztes Jahr war die Beobachtung, dass sich Schmetterlingsarten wie der Wegerich-Scheckenfalter (rote Liste) oder der aus dem Norden und Westen Eurasiens stammende Vogel Pirol bei uns zeigten.

Artenschutz kann jeder

Es sind oft kleine Dinge, die große Wirkungen erzielen können. Jeder kann dazu beitragen, der Natur mitsamt ihren Lebewesen in Zeiten des Wandels beizustehen. „Das Thema Arten- und Naturschutz gewann in den letzten zwei bis drei Jahren immer mehr an Bedeutung. Zuvor hatte sich die Bevölkerung weniger Gedanken darum gemacht. Unser Bemühen war innerhalb unserer Gemeinde schon immer, mit Stellungnahmen zu bestimmten Themen zu informieren und zu vermitteln. Es entstanden daraus sehr gute Ideen, wie zum Beispiel die Gründung eines „Heckenausschusses“, der sich bei der Heckenpflege von Gemeindeflächen mit einbringt, sodass gezielt auf den Vogelschutz geachtet werden kann“, erklärt Andreas Wolf. Das eingebrachte Wissen seitens
des LBV wird von den Bürgern gerne angenommen und man ist stolz, so einen aktiven Naturschutzverband vor Ort zu haben. Auch die Kooperation mit den ansässigen Landwirten basiert auf einem guten Miteinander. Soweit es möglich ist, versucht man die Agrarflächen nachhaltig zu bewirtschaften und Kompromisse einzugehen, um der Natur mehr Entfaltungsspielräume zu geben. 

Besser zusammen

Die zwanzigköpfige Vorstandschaft des LBV dürfte so ziemlich mit eine der jüngsten in Bayerns Vereinswesen sein. „Bei uns ist es so, dass eine junge Vorstandschaft seitens der Mitglieder gewünscht wird. Es soll immer ein frischer, dynamischer Wind wehen. Ein schöner Vorteil unserer Gemeinde ist auch, dass man sich kennt. Viele unserer Mitwirkenden sind auch noch in anderen Vereinen tätig, sei es in der Landjugend, bei den Ministranten oder bei der Feuerwehr. Durch die Vernetzung profitiert ein Verein vom anderen, weil man sich untereinander aushilft und immer genau weiß, wo es an etwas fehlt“, erklärt Fabian Dötsch. Besonders in Zeiten von Homeoffice und Corona-Isolation wird immer deutlicher, wie wichtig Zusammengehörigkeit ist. „Sich zu treffen, Geselligkeit zu leben und zu erleben ist neben all der Arbeit auch der wesentliche Sinn unserer Gruppe. Schon die Kleinen unter uns lernen, sich sozial einzugliedern und sich kooperativ zu verhalten. Ich bin bereits selbst als Kind beigetreten, was mich für mein Leben positiv geprägt hat“, gibt Andreas Dzierza preis.

Es bleibt uns, dem Verein ein immerzu fröhliches Pfeifen zu wünschen sowie gute Flüge durch die Höhen und Tiefen aller Umweltbelange.

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